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Vanilla 1.1.4 Forum von Lussumo. Weitere Informationen: Dokumentation, Community.

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      CommentAuthorAnonymous
    • CommentTimeFeb 8th 2002
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    Ja, ja, ich bin´s wieder? und ich bin selber schuld? ich hätte auf euch hören sollen. Aber ich bin zu naiv, zu gutgläubig und denke immer noch, daß alles wieder in Ordnung kommt.
    Nix da. Es ändert sich nie etwas. Und falls wider aller Erwartung doch? dann jedenfalls nicht zum Besseren! Man muß zur Ehrenrettung der im letzten Jahr so lobenswert von mir erwähnten Prinzessin vorabnehmen, daß es diesmal nicht? ich wiederhole und betone: nicht um sie geht. Nein; dieses Jahr haben sich gleich mehrere Personen um den Titel Bajazzo des Jahres… ja, man kann nur sagen, geradezu gebalgt. Zudem bestätigten sich in diesem Jahr in Kaltenberg gleich mehrere meiner Theorien:

    Zum Ersten mußte ich entsetzt feststellen, daß Dummheit offenbar ansteckend ist? und diese grassierende Epidemie greift extrem schnell um sich (doch davon später).

    Zweitens? es ist schön zu wissen, daß das Auge des Gesetzes eine Brille bekommen hat; nur sollte sie nicht aus Milchglas sein (Auch hiervon später).

    Zum Dritten sei da noch die Tatsache erwähnt, daß man um dem allgemeinen Paranoiafimmel beizukommen inzwischen dazu übergegangen ist, sich zwecks Sicherheit an die professionellsten Amateure (hoh, hoh… ) zu wenden, die sie bei Randstadt-Zeitarbeit shanghaien konnten.

    Und zum Vierten (unglaublich, aber wahr) scheinen gewisse Personenkreise dazu zu neigen, sich von Jahr zu Jahr lächerlicher zu machen, als vorstellbar scheint. Ja? alles ist steigerungsfähig. Es gibt kein Limit. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß ein Sicherheitsdienst in den meisten Fällen eher dazu dient, Schwierigkeiten heraufzubeschwören als abzuwenden, weil diese zum Teil recht peinlichen kleinen Feudalherren sich in ihren 20 Quadratmetern, die sie einsehen können, ab und zu ein paar Kleinigkeiten zuviel erlauben. Ich will damit verdeutlichen, daß bei der durchschnittlichen Ausbildung eines Sicherheitsmannes hier in Deutschland recht wenig Zeit auf den Umgang mit? sagen wir mal Zivilisten gelegt wird, da es in diesem Land offenbar eine ausgeprägte `Ich-Chef-Du-Nix-Menthalität´ zu geben scheint. Doch die Zeiten ändern sich? dieser Trick zieht bestimmt nicht mehr lange (Sollten Parallelen zu real existierenden Personen gezogen werden? oder diese sich angesprochen fühlen, ist das nicht zufällig, sondern durchaus beabsichtigt? mir persönlich aber ziemlich egal. Anm. d. Verf.).

    Ich habe mich natürlich wie jedes Jahr schlau gemacht, um zu erfahren ob sich unsere geschätzte Demokratur wieder mal ein paar neue juristische Glanzstücke in Richtung Waffengesetze erlaubt hat? doch mein Verdacht sollte sich nicht bewahrheiten. Na, wenigstens etwas. Schön.

    Meine werten Kumpels und ich dachten uns:?Geben wir den Retortenrittern noch eine Chance und versuchen nochmal unser Glück.? Was soll ich sagen? der Laden war angeblich dermaßen voll, daß wir uns also erstmal dreieinhalb Stunden vor Kaltenberg rumöden mußten (Obwohl wir durch das Tor eigentlich kaum jemanden auf dem Markt sahen? dies nur so am Rande), das ist eine Tatsache, die sogar manche Leute vom Stammpersonal seltsam fanden. Also ergriffen wir die Gelegenheit (Und das Trinkhorn) um uns ein wenig zu erfrischen. Bei dieser Gelegenheit stellten wir fest, das WOM´s Security-Leute in diesem Jahr statt augenkrebsblauen nun erfrischend mintfarbene T-Shirts trugen. Ist doch schon mal was. Zwar nicht gerade al dente? Verzeihung, ambiente, doch das ist inzwischen wohl egal…

    An dieser Stelle eine kleine Anekdote: In Zentralafrika gibt es einen Stamm Buschmänner, in deren Sprache es für Elefanten und Touristen nur einen gemeinsamen Ausdruck gibt? als das Turnier zu Ende war, und ein Großteil der Besucher den Abritt probte, begriff ich auch warum.

    Als wir uns alsdann dem Eingang zuwendeten, ging alles sehr schnell. Plötzlich tauchten aus allen Ecken und Kanten die über die Maße beliebten Sicherheitskoryphäen nebst ihren ganzen Handys, HeadSets und Funkgeräten auf, bauten sich sehr bedrohlich um uns herum auf (Wahrscheinlich ist dieses Mintgrün eine hervorragende Tarnfarbe) und warteten augenscheinlich auf die ebenfalls in Grüntönen gewandeten Street-Judges. Als die Polizisten denn auch vor Ort erschienen, ergriff der augenscheinliche Oberwatchdog (Seinen Namen weiß ich nicht? oder ich habe ihn verdrängt; nennen wir ihn der Einfachheit halber Heinz-Achmed) das Wort: „Ich glaube, wir haben hier einen Verstoß gegen das Waffengesetz!“ Ganz bravourös.

    Tja? aber gegen welches? Verehrte Leser, Sie müssen wissen, daß es einige Waffengesetze gibt. Na, zurück zum Thema. Mit dem professionellen Kennerblick eines staatlich geprüften CD-Sortierers sah er sich alsdann unsere Waffen an? und laberte die armen Polizisten dermaßen zu, daß sie schon fast naturstoned waren, und den Kerl übersahen, der mit der ranzligsten, rostigsten und schartigsten Klinge der zivilisierten Welt einfach an uns vorbeiging (Siehe Milchglasbrille). Stellen Sie sich eine alte, rostige Holzsäge vor, mit der zuletzt ein Goldregenstrauch (giftig) umgesägt wurde. Das nenne ich gefährlich. Soviel zu grassierender Dummheit.

    Statt dessen redeten sie sich gegenseitig ein, wie schweinescharf und unglaublich spitz unsere Schwerter doch seien. Nebenbei klopften sie sich noch selbstbeweihräuchernd auf die Schultern, was sie doch für Pfundskerle seien, und was für einen aus kriminalwissenschaftlicher Sicht bedeutenden Fang sie mit uns Staatsfeinden Nr.1 bis 4 gemacht haben. Hut ab, meine Herren. Respekt!
    Einen guten Bekannten meiner Freunde haben sie aber reingelassen? mit dem stachligsten Morgenstern der nördlichen Hemisphäre im eigenen Tieflader.

    Daraufhin wollte mir Mr. Inkompetenzia 2000 klarmachen, daß ich eine ganze Busladung Kinder pfähle, wenn ich mit meinem angeblichen Schlachtwerkzeug umfalle. Hey, ich kann mich irren? aber ich wollte auf ein Mittelalterfest? nicht zu einem kanadischen Baumstammlaufen mit anschließendem Ultra-Hardcore-Flautensurfing im Baggerteich. Ich mache auch keine Fallstudien und auch ansonsten kann ich mich in den letzten Jahren nicht daran erinnern, jemals die Fallsucht gehabt zu haben? denn der Herr machte der Menschheit ein gar himmlisches Geschenk und nannte es Gleichgewichtssinn. Und er sah, daß es gut war.

    Nun gut? kommen wir zu dem Begriff Scharf. Was versteht man darunter? Als scharf definiert man ein Werkzeug, durch das man sich bei unsachgemäßer Handhabung Schnittwunden zuziehen kann. Und mit unseren Schwertern kann man sogar Butter schneiden! Irgendwie… Und wenn man sich noch so hirnrissig anstellt, man kann sich an den Dingern nicht schneiden? ja man kann sich sogar draufsetzen, verdammt! Obwohl? so, wie ich Heinz-Achmed einschätze, könnte er sich mit einem Sofakissen den Schädel amputieren. So ganz nebenbei…

    Spitz hingegen nennen wir einen Gegenstand, welcher mit minimalem Kraftaufwand die obere Epidermis zu durchdringen imstande ist. Nun, das kann natürlich variieren; manche Leute haben recht weiche Haut? andere können sich vor Hornhaut kaum noch bewegen. Selbstverständlich sind unsere Schwerter mehr oder weniger spitz? wie jedes gottverdammte Schwert, welches wir an diesem geschichtsträchtigen Samstag, dem 14.07.2001 in Kaltenberg gesehen haben? und mein lieber Herr Gesangsverein? das waren einige. Aber die spitzesten Gegenstände, die ich an diesem zweifelsohne historischen Tage sah, das waren die Hellebarden der hochdekorierten Stadtwache. Und einer der Herren, die diese Geräte mit einer Bierfahne herummanövrierten, daß nicht nur die Fliegen, sondern sogar sämtliche Zugvögel und Nahverkehrsflugzeuge der Umgebung von der Wand fielen, gab mir mit stolzgeschwellter Brust bereitwillig Auskunft:?Spitz? Hoh, wennst des Teil aufan Schädl kriagst, donn bleibt´s steckn!? Na, da fühlt man sich doch gleich beruhigt? ein kampferprobter Hochleistungs-Biertester live aus dem Mutantenstadl mit einer Stangenwaffe, die vor lauter Klingen, Speerspitzen und Widerhaken nur so strotzt. Leute, das Teil hatte mehr Spitzen als ein Igel im Winter!
    Aber hier in Kaltenberg überläßt man dank Mr. Inkompetenzia 2000 nichts dem Zufall? nein, nein! Wenn dieser Knabe mal so aus Versehen umfällt, dann bleibt´s nicht bei einer Busladung Kinder? hah! Wir machen doch keine halben Sachen! Nein, wenn der umkippt, dann artet das schon in einen ausgewachsenen Genozid aus? und das Schönste kommt ja noch: Don Promillo ist ja nicht allein? Gott im Himmel, nein, die Organisation von Kaltenberg hat in weiser Voraussicht dafür gesorgt, daß er eine Menge Kumpels hat? alle komplett mit Hellebarde und Bierkrug. Alles nur, damit sie sich beim Umfallen abwechseln können? wahrscheinlich schließen sie sogar Wetten ab, wer wieviele beim täglichen Umfallen weggemosht hat. Schicker Aufwand.

    Man kann jetzt natürlich sagen, daß diese Herrschaften von der Fest-organisation gestellt sind? dann kann ich entgegnen:?Ach, sieh an. Das heißt dann wohl, daß die von den Veranstaltern gesponsorten Umfaller den ganzen Spaß nur für sich allein haben dürfen? Sehr kulant, ich muß schon sagen.? Hier, in diesem Absatz der exklusiven Monopole sei noch erwähnt, daß es nach Zeugenaussage im Schloßinnenhof eine? na, sagen wir - `Exklusivfestivität´ nur für Schausteller gegeben haben soll. Etwas, worauf ein Großteil der Besucher, die ja nun nicht alle Schausteller waren und sich deshalb vielleicht auch noch aus für so manchen von ihnen unverständlichen Gründen ausgeschlossen fühlten, sehr mit verhaltenem Groll reagiert haben sollen. Kann ich auch durchaus verstehen? wenn Heinz-Achmed´s Spießgesellen die Besucher, die ja eigentlich Gäste sind, mit allen Vorzügen die der Begriff `Gast´ so mit sich bringen sollte, ähnlich zuvorkommend behandelt haben, wie sie schon unsere Gruppe am Eingang mit ihrem nicht vorhandenen diplomatischen Feingefühl beeindruckt haben. 1A. Echt vom Feinsten, die gastgeberischen Qualitäten der Veranstalter? Mossad live. Durch so eine Vorgehensweise kann man sich auch eine hübsche Anzahl Gäste vergraulen.

    Mir war das dann zu blöde? ich habe mich dann kostengünstig abgeseilt. Immerhin habe ich als Sohn eines Briten noch so etwas wie Stolz. Alles muß ich mir von diesen Suppenkaspern auch nicht bieten lassen. Doch einer meiner Freunde machte noch einmal die Probe auf´s Exempel; und siehe! Er kam etwa eine Stunde später nach Kaltenberg hinein! Mit zwei von unseren brachial gefährlichen Kinderkillerschwertern!

    Ich habe einschlägige Ahnung von Objekt- und Personenschutz und wende mich mit diesem Absatz speziell an SIE, wertes Prinzenpaar: Diese recht zweifelhaften Gestalten bei Ihnen haben nicht nur keine Ahnung vom Waffenrecht, sondern sind auch noch inkompetent, schikanieren offenbar auch noch nach Gutdünken die Besucher? und dann sind sie auch noch inkonsequent! Oder wie erklären Sie sich das leicht schizophrene Verhalten der Sicherheitsleute?

    Ich frage Sie, das Prinzenpaar, hier nun mit Hoffnung auf Antwort, was um Himmels willen Sie dazu bewogen hat dafür zu sorgen, daß die abgedroschene Phrase `Früher war alles besser´ nun auch hier, bei den Kaltenberger Ritterspielen reichlich Nährboden bekommt. Auch wenn Sie es höchstwahrscheinlich in guter Absicht getan haben, sollten Sie sich einmal vor Augen halten, daß diese Strategie eine tückische Mischung ergeben kann, wenn die werten Fachleute um Heinz-Achmed sich diese Gags bei Leuten erlauben, die weder über den Humor verfügen um darüber zu lachen und den Kopf zu schütteln, noch die Erziehung als Gentleman genossen haben, welcher ich mich gottlob nach Bedarf bedienen kann. Dies ist ein freundschaftlicher Rat vom netten Geheimrat? Sie erinnern sich zweifellos…

    Denn selbst wenn wir gegen das Waffengesetz verstoßen hätten, dann hätten wir das dreieinhalb Stunden vorher, also als wir vor dem Stadttor einliefen, auch schon. Heißt im Klartext, die überaus wachsamen Sicherheitsknaben hätten uns schon dreieinhalb Stunden vorher unter die Lupe nehmen müssen? und nicht erst kurz vor Einlaß.

    So hätten wir nach Heinz-Achmed´s selbstpersönlich zusammen-kompositionierter Theorie dreieinhalb Stunden Zeit gehabt, immer wieder hinzufallen. Rechnen wir das mal hoch: Wir fallen theoretisch dreimal in der Viertelstunde um und wir sind zu viert? das macht zwölf Umfaller in 15 Minuten? jaaa, das summiert sich so langsam… gehen wir noch dazu von durchschnittlich zwei Volltreffern pro Umfaller aus? das sind pro Stunde mindestens 96 Verletzte? jaaa, rein theoretisch könnten wir die Herren von der Sicherheit wegen grober Fahrlässigkeit vor den Kadi zerren? und hätte es wegen dieser Fahrlässigkeit auch noch Verletzte gegeben, dann würden Mr. Inkompetenzia 2000 und Heinz-Achmed so tief im Bunker verschwinden, daß sie nie wieder die Sonne sehen. Denn der Status eines Sicherheitsmannes bringt nicht nur solche lustigen Vorzüge wie das fröhliche Besuchernerven mit sich? sondern auch noch einen ganzen Haufen Verantwortung.

    Noch dazu erfuhr ich aus gleich mehreren zuverlässigen Quellen, daß es in Kaltenberg? also um die Arena herum und auf dem Marktplatz? vor potentiellen Umfallern nur so gewimmelt hat, deren Mordinstrumente offenbar alle durch die so überaus fachmännisch durchgeführte Untersuchung durchgingen. Denn die Gruppierung dieser Individuen war dermaßen groß, daß davon nur ein Bruchteil Statisten gewesen sein können. Und diese Leute verfügten nicht nur über Schwerter, nein, nein… Wir sprechen hier auch von Kriegsbeilen, Streitkolben und Schlachtenhämmern und auch von den immer wieder gern gesehenen Rabenschnäbeln. Yes, Sir! Das nenne ich konsequent! Erinnert mich fast ein wenig an so manche politische Praktiken hierzulande. Sie wissen schon: Ich kenn´ da einen, der könnte… mauschel, schacher, höker… Jawoll, mit den passenden Amigos zur Hand sind vor dem Gesetz gottseidank alle gleich. Und vor dem vielgerühmten und so großzügig frei nach Laune variierbaren Hausrecht erst mal? mein Wort drauf! Manche kriegen für ihr (recht happiges) Eintrittsgeld also mehr als andere? Willkommen in der 3-Klassen-Gesellschaft. Perfekt, um sich das ganze Wochenende so richtig versauen zu lassen. Klappt wie verrückt!

    Ach ja? um noch einmal auf den Risikofaktor Mensch zurückzukommen: Zwei dieser Umfaller hatten sogar fast dafür gesorgt, daß einer meiner Informanten eine neue Kniescheibe gebraucht hätte? er humpelt jetzt noch. Der erste der Umfaller war seiner Aussage nach eine junge Frau, die ihm durch erwiesene Dummheit fast ihren Kinderkillersäbel unter den Meniskus gedroschen hätte. Dadurch zu noch besseren Leistungen angestachelt, betrat Umfaller No. 2? ein Kind mit Holzschwert? die Bühne des Dramas. Gelehrig und pragmatisch, wie Kinder heutzutage nun mal sind, kam der liebe Knabe sogleich auf die brillante Idee zu versuchen, es professioneller anzugehen und begegnete dem Problem mit gekonntem Aufhebeln der Kniebänder.

    Was die Kinder heutzutage im Biologieunterricht so alles lernen? nicht zu fassen. Bald nehmen sie Nachbar´s Katze aus, häuten den Wellensittich und sezieren Fido von nebenan? Aber über die Kinder mit Holzschwertern habe ich auch im letzten Jahr schon ein saftiges Statement abgelassen. Sie sehen, man braucht schon fast ein Schwert in Kaltenberg? sonst kommen diese wahnsinnigen kleinen Bälger hinter einem her und prügeln einem die Falten aus dem Pelz! Scherz beiseite.

    Noch dazu wird hier angemerkt, daß es trotz der leicht von Grauem Star befallenen Augen unserer Sicherheitskoryphäen einen Verkaufsstand gab, an dem man sich? für das passende Kleingeld versteht sich? mit diversen Dolchen, Schwertern und anderem sicherheitsgefährdendem Martialgerät hat ausrüsten können. Es ist an alles gedacht? ja, wenn die von Heinz-Achmed erwähnten 15000 rezenten Besucher sich rein theoretisch ebenfalls zu potentiellen Umfallern entwickeln können, ist zumindestens hier gleiches Recht für alle gewährleistet? meine Hochachtung, Ladies and Gentlemen.

    Nicht, daß ich was gegen Verkaufsstände von Schmiedewaren hätte? im Gegentum, ich begrüße sie sogar! Sie dienen sehr dem Ambiente und solche Gegenstände wie die oben aufgeführten Stücke sind wahrlich würdige Andenken an ein Mittelalterfest. Gut, daß es wenigstens das wieder gibt. Dies halte ich der Organisation der Ritterspiele wirklich zu Gute.

    Mich nervt nur diese verdammte selbstherrliche Bigotterie? entweder man läßt die gewandeten Fans anstandslos passieren (vielleicht? räume ich hier ein? mit einer richtigen Überprüfung auf Schnittfähigkeit der fraglichen Waffen), oder man zieht es so knallhart durch, daß man keinen mit Schwert mehr reinläßt.
    In diesem Falle sollte der Verfolgungswahn dann aber auch so weit konsequent weitergeführt werden, daß man dafür sorgt, daß die lieben, naiven und arglosen Besucher nicht noch eventuell zur Selbstverstümmelung durch erwiesen unprofessionelles Umfallen verleitet werden? durch die natürlich ebenfalls höllisch scharfen und hurenspitzen Souvenirs, das Beilwerfen oder sogar das Armbrustschießen.

    Schon mal jemanden gesehen, dem es den Bogen oder die Sehne vorm Gesicht zerlegt hat? oder der vom klassisch an der Waffe ausgebildeten Touristen ungeschickterweise mit einem Armbrustbolzen gepflockt wurde? Oder eine Ehefrau, die das Wurfbeil, das ihrem Mann beim Ausholen aus der Hand gerutscht ist, mit raubkatzengleicher Grazie mit der Hirnschale abfängt? Das kann so richtig spektakulär und farbenfroh werden, das kann ich Ihnen sagen. Sowas bietet echt was für´s Auge? kann durchaus auch ein unvergeßliches Andenken sein.

    Also, mich zumindestens sehen die in Kaltenberg nie wieder! Ich hab´ die Faxen dicke. Nicht wegen den pseudoprofessionellen Security-WOMbles, die eigentlich so effektiv waren wie ein zweiter Arsch (und zum Großteil auch noch genauso sympathisch), wie gesagt, sowas bringt mich nicht aus der Ruhe… aber ich bin doch nicht verrückt! Kaltenberg ist mir viel zu unsicher! Was da alles passieren kann… nicht auszudenken!

    Ich empfehle jedem, der ungestört in Gewandung und einem guten Ambiente eine schöne Zeit erleben will, Bückeburg, das Regensburger Altstadtfest oder die Landshuter Hochzeit. Es gibt bestimmt noch andere Alternativen, aber die hier alle aufzuzählen und deren Vorzüge zu würdigen würde dauern…

    Nennen Sie mich dickköpfig, aber wenn wir uns schon die Mühe machen, uns wie eine Söldnergruppe aus einer historischen Epoche auszustaffieren, sollten wir auch mit kompletter Ausrüstung unseren Spaß haben dürfen? und nicht nur wir haben dann unseren Spaß, sondern auch die Besucher. Schließlich können so auch wir, die wir eigentlich Besucher sind, zum Esprit des Festes beitragen? und wir verlangen dafür nicht mal Gage. Diese Tatsache alleine sollte schon anerkannt werden. Umsonst wurden wir jedenfalls nicht achtmal vor den Toren Kaltenbergs mit wachsender Begeisterung abgelichtet. Seien wir mal ehrlich, auf den Spruch:?Lassen Sie das Schwert halt draußen.? kann man in unserem Metier nur sprachlos den Kopf schütteln. Falls man uns hier eventuell männliches Balzgehabe (Mein Säbel ist länger als Deiner!) vorwerfen will, kann ich dagegenhalten, daß es erstens genug Frauen gibt, welche ebenfalls ein Schwert zu führen imstande sind? und die dies auch tun? und zweitens, daß es dazu gehört. Oder haben Sie jemals einen Historienfilm gesehen, in dem aus Angst vor Blessuren auf die Waffen verzichtet wurde? Das halte ich für ein mittelschweres Gerücht.
    Um das Ganze fallspezifisch zu veranschaulichen; ein freier Ritter ohne Schwert ist genauso toll wie ein Sicherheitsbeamter ohne sein Funkgerät? oder sollte ich vielleicht sagen, eine Stadtwache ohne Hellebarde?

    Ich meine, daß man hier ein paar Abstriche machen sollte? es ist ja nicht so, daß man hier versucht, so etwas wie das Verdun-Revival-Festival aufzuziehen, wo jeder Reenactment-Fan versuchen würde, mit einem Spandau-MG, 20000 Grauröcken mit Hugospritzen, Mauserkarabinern vom Modell 98k und der dicken Bertha im Handgepäck einzurücken, um mal so richtig auf´s Blech zu hauen? nicht zu vergessen solch witzige Gadgets wie die lustigen Paris-Kanonen und Eisenbahngeschütze? um das Erscheinungsbild optisch harmonisch abzurunden. Inklusive aktiver Landschaftsumgestaltung und Bombenlaune. Könnte mir vorstellen, daß das schon eher ein Verstoß gegen ein paar rezente Waffenrechte wäre.

    Wer dennoch auf die persönliche Sicherheit nicht verzichten will, der kann auch nach Sing-Sing gehen? oder in das Wyoming State Prison oder eines der vielen malerisch gelegenen sibirischen Gulags aufsuchen. Da ist das Personal erträglich? naja, die Bedienung ist etwas lahmarschig, aber dafür ist der Kellner grob.

    Selbstverständlich gehe ich hiermit davon aus, daß jeder, der sich leicht veralbert fühlt, seine eigene Meinung lautstark in Schloß Kaltenbergs Gästebuch im Internet kundtut? wie es das Recht jedes (noch) freien Bürgers dieses Landes ist. Und auch wir wollen nur unser Recht? wie es viele andere Besucher (außer uns) obskurerweise zugestanden bekommen haben? und auch mein Informant, nachdem er, dem theoretischen Trägheitsfaktor visueller Datenverarbeitung bei den SecWOMs folgend, eine Stunde später nochmals einen Feldversuch unternahm. Und der diesen Test sogar erfolgreich zum Abschluß brachte.

    Lustig, nicht? Also, ich finde das eigentlich über die Maße amüsant. Wenn das nicht so zum Heulen wäre, könnte ich mich gewaltig abrollen vor Lachen. Diese Ansammlung von paradoxen Tatsachen werde ich bei Gelegenheit mal Monty Python´s Flying Circus zukommen lassen.

    Wir sehen nicht ein, uns dafür, daß wir inzwischen dreißig breite Taler (eine Summe, die gewisse Personen bestimmt als noch steigerungsfähig erachten) über die Theke rollen dürfen, um überhaupt hineinzukommen (und das ist schon eine Seltenheit bei Mittelalterfesten), und uns dann noch wie Psychoknackis behandeln lassen dürfen, denen man keine harten Gegenstände in die Hände geben soll. Scheint mir eher sowas wie eine Mischung aus einem Themenpark von Disney´s `Merlin der Zauberpfuscher´ und einem Hochsicherheitsknast à la Fortress zu sein? also nix für uns…

    Wir sind Enthusiasten und wir haben sogar Verantwortungsgefühl. Auch wenn man das Leuten mit solchen Merkmalen wie Jugend, langen Haaren und Begeisterungsfähigkeit sowie die vollkommene Abwesenheit von Sakko und Krawatte (Was hierzulande anscheinend schon ausreicht, um Vorurteilen und Verdächtigungen freie Bahn zu schaffen) nicht zutrauen oder eingestehen will. Aber während man dann von allen Seiten in einer Art behandelt wird, als wäre man ein gekonnter Klon aus Jack the Ripper und Attila dem Hunnenkönig, gehen weit obskurere Gestalten durch das? wie wir schon gesehen haben? reichlich nachlässig gespannte Fahndungsnetz

    Naja, die Kriminalstatistik zeigt, daß die gröbsten Gesetzesbrecher begeisterte Nadelstreifen- und Schlipsträger sind. Aber die schreiben dann im Knast ihre Memoiren (Mein Leben als asozialer Egoist, der die Banken beschiss und so manche Politiker bestoch) und verdienen sich dann tatsächlich noch `ne goldene Nase. Dann kommen sie wegen guter Führung raus und verziehen sich dann ins Ausland, wo sie mit Altnazis und Waffenschiebern eine lustige Pokerrunde aufziehen…

    Ich entschuldige mich an dieser Stelle bei den netten Gesellen der Räuberhöhle (leider konnten wir aus oben aufgeführten Gründen nicht in eurer Taverne anlegen) und bei den Barbaren, die wissen, was sich gehört, mit denen man gepflegte Diskussionen führen kann und die viele unserer Standpunkte teilen. Und nun schließt der Geheimrat die Akte Kaltenberg für immer. Werte Miß Bearclaw, entschuldigt bitte mein Benehmen, aber meine ansonsten immer gute Laune hatte an diesem Tage leider etwas gelitten. S. A. R.

    An einem Tag
    Wie diesem
    weiß ich,
    daß ich lebe.

    Oscar Wilde

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      CommentAuthorTanor
    • CommentTimeFeb 8th 2002
     permalink

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